Ein kleiner Einblick

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Klaus, seit 30 Jahren Renates Hilles Traumprinz: "Was soll ich sagen... Renate ist Renate. Eine ausgeprägte Person. So bald sie eine Idee hat wird sie hektisch, macht im wahnsinns Tempo irgend was Tolles, fotografiert es eilig - macht was Neues.

Renate ist ein unbeugsames Stehaufmännchen, eine ewige Optimistin die im Jetzt lebt. Eine Lebenskünstlerin eben.

Sie ist spartanisch, untertreibt, meidet unnütze Ausgaben. Ihre Waschmaschine stammt vom Januar 1989. Bei Renate geht Gesundheit vor Geschmack. Sie lebt improvisiert, setzt sich durch, nervt mit ihren plötzlichen Einfällen nach denen gleich darauf die ganze Wohnung aussieht wie bei Messis. Das sie auch eine ordentliche, fast pedantische, Seite hat, tröstet nicht unbedingt. Ich hab es gerne immer ordentlich. Streiten ist für sie verlorene Lebenszeit, sie diskutiert und analysiert lieber stundenlang. Schrecklich!! Ja - und sonst... sie ist emotional, sachlich und geradeaus. Sie mischt sich ein, ist sehr fürsorglich. Alter ist für sie nur eine Zahl.

Ach so, sie sieht mich immernoch so wie ich mich gerne sehen möchte ...

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Elke Schetzing, eine Nachbarin von ganz früher:

Renate war schon immer anders. Ihr soziales und ökologisches Engagement war früh ausgeprägt. Schon als dreijährige setzte sie sich  für eingesperrte Tiere ein. Schon damals war ihre Courage ausgeprägt. Sie schlich Bauernhöfen herum, öffnete Stalltürriegel und jagte Schweine, Kaninchen und Geflügel hinaus in die Freiheit.  

Um ihnen die mühsame Suche nach Blüten zu ersparen, fing sie Hummeln, rannte mit ihnen in der Faust zur nächsten Blüte, setzte sie vorsichtig ab und flitzte los um die nächste zu fangen.

Viele Jahre später fand sie mal ein verlassenes Mausenest und fütterte mit ihren Kindern zusammen die sieben Mäuslein alle zwei Stunden mit einer Pipette.

Durch ihre Einsätze zur Tierrettung ist sie für die Bauern eine "Hexe". Renate kümmert es nicht. Ihr Mut und ihre Lebensfreude waren damals  sehr ausgeprägt. Wohlstand und  Anerkennung durch die Gesellschaft sind ihr nicht so wichtig wie liebevolle Kontakte zu Mensch, Tier und Natur. 

Mir fällt da was ein: Als sie noch klein war, kamen zwei durchgegangene Ochsen die Dorfstraße heruntergebrettert. Überall rannten und schrien Leute. Statt sich zu verstecken, stellte Renate sich mitten auf die staubige Straße und breitete ihre Arme aus. Ob es wegen Renate war, oder die Tiere zu sehr gestresst waren, - jedenfalls wichen sie in den Graben aus und blieben dort schnaufend stehen. 


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Dieses absolute Unikat "ERDENMUTTER" habe ich mit Wollresten im Grobstich gestickt. Die Menge der verschiedenen Farben bestimmte das Motiv.


Der Vorleger besteht aus Woll-, Stoff- und Filzresten.  


Vorwort. 


In Kriegszeiten gibt nur eine Regel: Versuchen zu ÜBERLEBEN! Darüberhinaus ist nichts da worauf man bauen kann. ABSOLUT NICHTS!

Zum besseren Verständnis meine Handlungsweisen:

Meine Stärke ist das Lösen von  Problemen. Nicht nur in jeder erdenklichen Lebenskrise, sondern auch übergreifend in allen Bereichen der Kunst und im ganz normalen technischen und praktischen Alltagsleben.


Weil jedes wesentliche Erfolgserlebnis  meine unkonventionelle Vorgehensweise bestätigte, steigerte ich  beim nächsten Dilemma unbewusst meine Risikofreude, die mich mehrmals in akute Lebensgefahr brachte.

Allerdings erhöhte meine Risikobereitschaft auch oft genug meine Überlebenschance.


Biografie:

Nun folgt ein klitzekleiner Einblick in meine Lebens- und Liebesgeschichte mit einigen meiner vielen Neuanfänge.

Wie alt ich war als ich diese Kinderbilder zeichnete weiß ich nicht mehr. Jedenfall nicht jünger als neun und nicht älter als 14. (Sie entstanden in Dänemark.)  


Als ich zur Welt kam herrschte Krieg. Mein Vater war Stellmacherlehrling - selbstständig - Flugzeugmechaniker - Pilot - Geschwaderführer - Hauptmann. Er starb den Soldatentod mit nur 26 Jahren. Ich habe ihn nie kennengelernt. Ich bin sehr traurig das ich das nicht ändern kann.


Als ich noch ein Mini war, fiel mein Vater. Irgendwann flüsterte mir ein alter Mann aus dem Dorf zu das mein Vater nun im Himmel sei... "Im Himmel?" -  da wohnt doch nur der liebe Gott mit seinen Engeln. Der Mann schwieg. Ich glaubte ihm. Rannte zu Mutter und erzählte ihr das ich Gottes Tochter sei. Sie nickte flüchtig... WOW - ich war Gottes Tochter! Weiter interessierte mich das Thema nicht. Heute denke ich das mein Vater esoterisch mein ganz spezieller Dauerbeschützer war und mich gestärkter durchs Leben gehen ließ.

Mutter wurde mit meiner Schwester und mir aus Pommern vertrieben. Fliegeralarm, heulende Bomben, Explosionen, Luftschutzkeller, überall herumliegende Leichen und verstümmelte Menschen die sich irgendwie auf den Straßen mit selbstgebauten Fahrgestellen fortbewegten, gehörten genau so zu meinem ganz normalen Kinderalltag wie blühende Wiesen und Dorftümpel in denen ich tief beeindruckt beobachtete wie Kaulquappen zu Fröschen wurden, sowie weitere Wunder der Natur.


Mutter kenne ich nur psychisch auffällig. Mal besonders fröhlich - mal besonders traurig. Meistens Abtrieblos. Wer weiß was sie auf der Flucht erlebt hatte. Außerdem war sie schwanger mit mir als mein Vater fiel...

Jedenfalls suchte sie immer wieder andere Argumente - erzählte mir immer andere Storys - warum ich nicht ihre Tochter sei. Und wie sehr sie enttäuscht darüber sei das ich kein Junge war. (Sie nannte mich eine zeitlang "Hans").


Weil ich wegen schwerer Hüftdysplasie viele Jahre - bis zu meinem Dänemarkaufenthalt - stark humpelte, war ich mir meistens selbst überlassen und spielte dann mit Rindern, Ziegen, Schafen und Pferden auf nahen Höfen und Wiesen. Wenn ich müde war, kuschelte ich mich an ihre weichen Euter. Im Laufe der Jahre prägten sie mich mehr als es Menschen je taten. Tiere aller Arten waren meine engsten Freunde, meine tiefe Verbundenheit ist geblieben. Ich töte kein Lebewesen.


Noch heute fühle ich mich mit Tieren innig verbunden. Ich habe Kontakt zu ihren Gefühlen, lese in ihren Augen und Gesichtern. Leide tief und fühle mich hilflos wenn sie schlecht behandelt werden. 


Am liebsten stöberte ich in Müllhaufen und den Trümmern zerbombter Häuser herum und fand dort Dinge die Menschen gehört hatten. Es berührte mich schon damals tief das all die guten Sachen nun so zerfetzt herumlagen und ich begann daraus zu gestalten. Mein Respekt vor gebrauchten Dingen ist bis heute geblieben. Und meine Leidenschaft etwas ganz anderes daraus zu machen auch. 

 

Wie es alle kleinen Kinder gerne tun, probierte ich alle möglichen Pflanzen. Die bitteren spuckte ich aus, die anderen aß ich. Dadurch und auch durch die Gemüsemieten der Bauern mit Steckrüben, Möhren - all das lagerungsfähige Wintergemüse. Ich klaute für meinen Eigenbedarf. Dadurch wurde ich immer satt und würde - trotz allgemeiner Hungersnot - meine vorgegebene Körpergröße erreichen.

 

 

 

 


Wir wohnten nun in einer Stadt. 1. Etage, drei-Zi.-Wohnung, Toilette auf  Treppenabsatz. Weil all die Kriegsflüchtlinge ein Dach über dem Kopf brauchten, wohnten drei Familien in je einem der drei Zimmer. Die Küche wurde von allen benutzt.


Auf den Strassen und Wegen fand ich richtige Schätze: Heftzwecken, Gummiringe, Wäscheklammern, Nägel, Münzen, Drähte, tolle Steine... Ich versteckte all die Kostbarkeiten in meinem Versteck - dem Plumpsklo und werkelte etwas damit. Auch fand ich tolle Sachen auf der Müllhalde. Doch Mutter war rigoros gegen alles was "ünnütz und auch noch schmutzig" war und verbot mir jede Kreativität.

Doch mein Bedürfnis danach war hoch bis zwingend. In einem verlassenen Plumpsklo draußen im Garten hing vergilbtes Zeitungspapier. Dies bemalte ich mit abgebrannten Streichhölzern. Als ich einmal Schritte hörte, aß ich vor Schreck mein Kunstwerk auf.


Bei Kriegsende war ich fünf. In einem Lazarett lernte Mutter einen verwundeten Automechaniker aus Dänemark kennen der durch deutsche Granaten verwundet war. Deutsche besetzten  gerade Dänemark. 


Er war ein einfacher und anständiger und fürsorglicher Mann. In einer Zeit in der ein Apfel ein Himmelreich bedeutete, zauberte er mir beim Gutenachtsagen einen Apfel unter mein Kopfkissen. Holte ihn hervor und schenkte ihn mir lächelnd. Ich mochte ihn sofort.


Doch der Krieg hatte nicht nur seine Psyche ramponiert, sondern auch sein rechtes Bein. Da steckten Granatsplitter drin die immer mal wieder wanderten, eiterten, und ihm tierische Schmerzen bereiteten. Dann rannte er in der kleinen Wohnung herum und heulte wie ein Wolf. An solchen Tagen war er reizbar und streitsüchtig.


Mutter kam "aus gutem Geschäftshaus" - er war Sohn einer Putzfrau.

Mutter bekam eine hohe Offizierspension - er bekam als "Deutschlands Ex-Feind" nirgends Arbeit.


Er sprach kaum deutsch. Weil sie in Deutschland lebten, weigerte sich Mutter auch nur ein einziges Wort seiner Sprache zu lernen und erwartete von ihm das er schnellstens ihre Sprache lernte, sein "Kauderwelsch" sei unerträglich.


Als er endlich Arbeit als Fernfahrer bekam und oft erst in tiefer Nacht zu  Hause war, zeigten sich erste Anzeichen ihrer sich entwickelnden Feindseligkeiten. Mutters Macht über ihn war der Sex. Vaters Macht über sie war sein "Kauderwelsch". Bald gehörten Schikanen zum Alltag.

Kleinere Handgreiflichkeiten - bis zu brutalen Schlägereien in unserem kleinen Zimmer.

Weil sie sich am nächsten Tag schon wieder vertrugen, einander herzten und miteinander lachten, bildete ich mir immer wieder ein das es von da an so liebevoll bliebe.


Die Kombination der beiden vor dem Hintergrund einer Zeit in denen deutsche Flüchtlinge im eigenen Land  von Landsleuten wie  Eindringlinge schikaniert wurden, war durch Mutters Ehe mit dem "Feind" ohnehin sehr belastet. Dazu kam die allgemeine Ungewissheit. All die Fragen die niemand beantwortete. Es war die Nachkriegszeit in der die Alliierten unser Land aufteilten. In der verhungern, erfrieren, Mord und Diebstahl zum Alltag gehörte. In der Kinder eher eine Last waren. Besonders Mädchen, weil Hitlers Wunsch nach SÖHNEN noch immer in den Köpfen der Gesellschaft saß.

Und es war die Zeit der vielen privaten Abtreibungen und der an den Folgen krepierenden Mütter.



Wir hatten nun die drei-Zuimmer-Wohnung ganz für uns alleine. Die Liebe meiner Eltern zueinander zerrieb sich mehr und mehr. Doch statt aufeinander zuzugehen, oder sich zu trennen, bissen sie sich ineinander fest, radierten immer wieder - so ganz spontan - in sich und um sich herum jede Freude aus und huldigten zunehmend den Göttern "Geld" und "Anschein".


Als ich mich zum ersten Mal in eine Schlägerei einmischte um meiner schwangeren Mutter beizustehen, machte ihn das so richtig wütend. Er ließ Mutter los und schlug unkontrolliert auf mich ein.

Später, als die Wohnungstür zuknallte, beugte sich Mutter zu mir runter und schimpfte mich aus. Vielleicht hatte sie Angst um mich.

Oder auch nicht. Denn von da an machten  beide mich kleines Mädchen zum Sündenbock für all ihren Frust. 


Nach einem Stellungswechsel war Vater Busfahrer. Nun war er Abends und an den Wochenenden zuhause. Weil nun ihre Kämpfe berechenbar waren, genoß ich die Zeiten der sicheren Ruhe in meinem Versteck.

Doch wenn er Freitags Abend nach Hause kam und Mutter ihm erzählte was ich so die Woche über so angestellt hatte, lag ich still und steif unter meinem Bett, lauschte genau auf ihre Unterhaltung. Betete inbrünstig das er gute Laune hatte.

Normalerweise hätte der Dauerstress mich töten, verblöden, oder mich bis zu meinem Lebensende zu einem psychischen Wrack machen müssen. Stattdessen begann sich meine Anlage zur Widerstandfähigkeit gegenüber gesundheitliche, seelische und psychosoziale Entwicklungsrisiken (Resilienz) zu entwickeln. Dadurch machte mich jede überwundene Notlage stärker! 


Ich half viel im Haushalt. Das Spielen mit gleichaltrigen Kindern interessierte mich nie. Lieber verbrachte ich meine Freizeit auf Schutthalden. Werkelte mit allem was ich fand, löste technische Probleme und verblüffte so manchen Erwachsenen mit meiner Fingerfertigkeit. In diesen Stunden entspannte ich mich und war zufrieden.


Irgend wann hatte ich die Reife um mich zum ersten mal sachlich mit meiner Situation auseinanderzusetzen. Mir wurde klar das es niemanden außer mir selbst auf der Welt gab der mit beistehen würde. Ich musste selbst etwas tun damit sich mein Leben, trotz aller Schwierigkeiten, zu meinem Gunsten entwickelte.


Während ich in der folgenden Zeit lernte die komplette Verantwortung für mich zu übernehmen, verließ ich auch meine passive Opferrolle mit dem Resultat das ich auch meine bisherige Verhaltensstrategie überdachte.

Weil meine Eltern Stress mieinander hatten, war ich ihre Schlakkerpuppe an der sie sich abreagierten. Doch weil meine Rolle nur sekundär war würde sich nichts ändern so lange ich dort wohnte. Oder starb - denn ich hatte eine Depression.

Bei der bald darauf folgenden Atakke auf mich bat ich meinen Vater mich doch gleich totzuschlagen.


Weil ich davon ausging das ALLE Kinder "so behandelt" wurden wie ich, kam ich eines Tages auf die Idee all den Kindern auf der Straße beizustehen wenn sie von älteren Jungen geärgert wurden. Schon der Gedanke daran machte mich mutig. Und es reichte oft schon das wenn ich - zwar jünger - aber so lang und dünn war- das die Jungs schon Angst vor mir bekamen wenn ich sie nur voll entschlossen und sprungbereit anstarrte. 

Obwohl ich ein "Humpellieschen" war wurde ich zwar nicht gerade der Schrecken aller frechen Buben - wie ichs mir gewünscht hatte, aber immerhin fühlte ich mich als Engel der kleinen Kinder ... (Was du denkst das fühlst du.)

Mein Leben hatte nun einen Sinn!


Einmal beobachtete ich das ein Junge ein Kind aus der Sportkarre kippte und dann weglief. Das Kind schrie, sein Brüderchen auch. Zum ersten mal drohte ich nicht nur, sondern rannte hinter dem Jungen her und obwohl er stärker war, verprügelte ihn bis ich nicht mehr konnte.

Die kleinen Steppkes bewunderten mich! Das tat mir gut.

Und zum ersten mal im Leben begriff ich das ich nicht alleine war mit meinen Sorgen. Die Kleinen weinten ja nur weil ihnen von Stärkeren weh getan wurde.

Ich kombinierte: Vater hat Rundumstress und schlägt mich weil ich schwächer bin als er. Ich schlage Jungs, die durchweg stärker sind als ich. Warum laufen sie dann vor mir weg...? Wegen meiner Drohgebärden die ihnen sugerieren das ich stärker bin sie. Und warum traue ich mich überhaupt? Weil ich kampferprobt bin! (Alles hat doch irgendwie was Gutes.)


Nach meiner Einschulung ging ich zuerst zwei drei Jahre ganz gerne zur Schule. Doch bald wurde der Unterricht so langweilig das ich lieber die Vögel beobachtete die in den Zweigen des Baumes vor einem Fenster herumhüpften. Mich interessiete nur noch Malen, Musik und Sport. Regelmäßig bekam ich Prügel mit dem Rohrstock, weil ich den Unterricht störte. wegen


Meine Klassenkammeraden ignorierten mich und lachten mich wegen meiner Humpelei aus. Ich ging noch seltener hin. Stattdessen werkelte ich in meinem Plumpsklo-Versteck.

Bald hielt ich die Schulbesuche für verschwendete Lebenszeit.

Die wenigen alten Lehrer, die nicht eingezogen waren, schlugen mich vor der ganzen Klasse für mein Schwänzen  und gaben mir eine Nachricht für meine Eltern mit. Mutter verdrosch mich noch mal, weil ich sie "immer überall blamierte". und wenn Vater von der Arbeit kam verpetzte sie mich und es knallte wieder...

Meine Erkenntnis: Wenn ich künftig die Schule ganz mied, ging es mir viel besser. Ich ging nie mehr hin.


Meinen Eltern gegenüber tat ich so als ginge ich weiterhin zum Unterricht. Tatsächlich ging ich so lange in Richtung Schule wie meine Mutter mich beobachten könnte. Dann flitzte ich auf Umwegen zum nächsten Müllhaufen. Werkelte dort bis die Schulklingel das Unterrichtsende verkündete und ging dann brav und pünktlich nach Hause. Diese täglichen Erfolgserlebnisse beflügelten mich mächtig. 

Das das Lektorat meinen Eltern mitteilen könnte, dass ich meiner Schulpflicht nachkommen müsse, hatte ich ausgeblendet. Tatsächlich interessierte es längst keinen was ich tat, denn meiner Mutter war vom Rektor nahegelegt worden, das ich "aufsässig und frech zu allen" wäre, dauernd den Unterricht störte - und bla, bla, bla....


Oft hatte ich schwere Kopfschmerzen. Vielleicht kam es davon weil mir meine Eltern manchmal blitzschnell mit voller Wucht ihre flache Hand ins Gesicht schlugen. Mein Kopf knallte dabei manchmal an eine Wand.

Bis hoch ins Erwachsenenalter dachte ich das ich deswegen "so anders war", weil ich einen Hirnschaden hätte.


Ich wurde immer mehr in den Haushalt eingespannt. In meiner freien Zeit werkelte ich wie immer, aß Hagebutten, Sauerampfer, Klee, Gras, Rüben, Wurzeln, Beeren, Obst, - all das was jede Jahreszeit mir bot. 

Wegen meiner Tierliebe wollte ich entweder einen Bauern heiraten, oder einen Förster, oder einen Schlachter .. Voll naiv!


Als Mutter als Köchin arbeiten wollte stand das Problem im Raum wie das Baby versorgt werden könnte.

Na - DAS war was für mich!! Von da an versorgte ich auch mein Brüderchen. An den Wochenden hatte ich frei. Dann fuhr ich gegen Nahrungsmittel kleine Kinder spazieren.

Ich hatte einen Stellenwert in der Familie.


Obwohl mich stets eine grundlegende Angst wie eine Haut umschloß, entwickelte sich meine Zuversicht weiter. Bald konnte ich selbst im größten Schlamassel noch positives finden und Probleme zu meinem Vorteil lösen. An meine Werkelei hatten sich alle gewöhnt. Letztenendes profitierte meine Familie davon, denn ich nähte und reparierte all ihre Oberbekleidung. Meine aussergewöhnliche kreative Begabung fiel allgemein auf. In jeder freien Minute gestaltete ich mit allem was mir unter die Finger kam. Ich therapierte mich.


Obwohl auf der Straße Ruhe eingekehrt war, kamen die Kinder zu uns. Wollten einen Rat, ein Bonbon, eine kleine Reparatur am Puppenwagen.

Ich liebte sie!

Je länger ich mich kümmerte, umso mehr begriff ich mein kleines Leben so wie es mir erschien. Mit der Zeit wuchs meine tiefe Dankbarkeit dafür das ich meine Geburt, den Krieg, die Flucht, die Bomben... überlebt hatte.

Die häuslichen Probleme wurden kleiner.



Als ich neun war prägte ich mir eine Nachricht ein die mir in der Zukunft einfallen sollte. Es war sowas wie  - "...ich weis die Zusammenhänge des Lebens ..."

Als ich neun war lehrte mich Karen, eine junge Prostituierte aus der dritten Etage, das auswendige Lesen. Ich versank mit glühenden Wangen in der Materie.

Später schenkte sie mir die Bücher "Die Entstehung der Arten" und vor allem "Lerne deinen Körper kennen", (oder so ähnlich). Ich konnte es aufklappen und ins Innere meines Körpers gucken. WOW!

Vor lauter Gier darauf zu wissen was da stand, lernte ich nicht nur mit Karens Hilfe das auswendige Lesen und Schreiben, sondern auch das was mich am meisten interessierte: Grundlegendes Wissen über den menschlichen Körper und übergreifend den der Säugetiere. Dazu der Riesenkomplex Gesunderhaltung von Mensch und Tier.


Je älter ich wurde - umso hellhöriger wurde ich wenn ich etwas über Anatomie, Funktionen der Organe, Medizin, Virologie, Verhalten Mensch und Tier im Vergleich zueinander hörte. Nach jeder neuen Information fügte ich  weitere Bruchteile da ein wo sie logischerweise hingehörten und erkannte dadurch weitere Zusammenhänge.

Durch übergreifendes selektives Lernen kamen im Laufe der Jahre verwandte Themen wie z.B. Epigenetik und Psychologie von alleine hinzu und schlossen Lücken.

 

Bis heute füttere und ergänze ich mein Wissen - und lebe seit Jahrzehnten danach. (Zur Zeit interessiert mich die Optogenetik.)



Irgendwann schrieb ich meinen Eltern einen  Brief in dem ich vorschlug, dass wir ab sofort alles bisherige vergessen und ganz neu anfangen sollten. Eine Antwort erhielt ich nie. Macht nichts, - die Tatsache das sie nun wussten das ich schreiben konnte, wertete mein Selbstvertrauen als weiteren Sieg im Ringen um meine seelische Gesundheit. Bald setzte ich noch einen drauf: Weil Mutter nur eine winzige handvoll von der fremden Sprache meines Stiefvaters kannte - er wiederum ganz wenig Deutsch - lernte ich hoch motiviert während einer sechs Wochen dauernden Verschickung in seine Heimat Dänemark einiges seiner Sprache und weigerte mich nach meiner Rückkehr Tage lang Deutsch zu sprechen. Mutter fühlte sich von mir verraten und wurde wild, mein Stiefvater schützte mich geschmeichelt und ich begann übermütig meinen Übersetzungen etwas Nettes hinzuzufügen obwohl es der andere gar nicht gesagt hatte. Nach und nach steigerte ich die gegenseitigen "Lobe" und erreichte tatsächlich das die beiden ihre feindselige Haltung und Übergriffe gegenseitig und mir gegenüber reduzierten. "Er" schenkte mir sogar zwei Ansichtskarten aus Italien - und Mutter mahnte ihn das er mich nicht mehr auf meinen wachsenden Busen prügeln solle "weil das weh täte".


Von da an ließen sie mich - bis auf einige Ohrfeigen - lange in Ruhe.


Einmal gab es zu Weihnachten Pellkartoffeln satt und ein Spiegelei für jeden! Ein Ei hatte damals Seltenheitswert. Ich aß also erst einmal so viele Kartoffen bis ich fast satt war um dann - in aller Ruhe und Genuss - das leckere Spiegelei zu genießen. Doch ich war wohl zu lange mit  den  Pellkartoffen beschäftigt. Denn während Vater murmelte  "du magst es wohl nicht..." schwebte mein Ei auf seiner Gabel davon und landete in einem Stück in seinem Mund. Dann stupste er mich an und blinzelte mir zu. Später zeigte er uns sieben rohe Eier. Für jeden von uns eins - und für mich zwei.

Er war eben so wie er war.


 Vater hatte eine Arbeit als Fernfahrer gefunden und kam am Wochenende nach Hause. Trotz meines Kampfgeistes bösen Buben gegenüber, war ich  ein menschenscheuer Teenie und fand ich mich nicht in der normalen Welt zurecht. Versorgte nach wie vor Haushalt und Geschwister. Ging mit ihnen lange Strecken, erklärte die Natur.

Mein Hang zu Kindern und Tieren war ausgeprägt, ich wollte gerne einmal 18 Kinder haben.

Seit der lustigen Geschichte mit den Spiegeleiern dachte ich nicht das er mich noch mal schlägt, saß aber trotzdem vorsichtshalber  jeden Freitag,  unterm Küchentisch während Mutter ihm aufzählte was ich so alles in seiner Abwesenheit angestellt hatte.


Manchmal, wenn er mich unterm Tisch entdeckte, machte er Witze über mich. Dann auch wieder nicht. So sehr ich mir Mühe gab Mutter alles recht zu machen - sie gab mir selten eine Chance seinen Schlägen und Tritten zu entgehen. Ich erinnere mich das ich mir oft wünschte sie wären beide tot.


Heute denke ich das es ihr Selbsterhaltungstrieb war der Vaters Interesse auf mich lenken sollte. An mir konnte er Dampf ablassen - Mutter war schwer Depressiv und konnte nur noch herumsitzen. Die Verantwortung für ihr Baby lag in meinen Händen.


Abschied:

Eines Tages kam es in einer kalten Nacht zum Countdown: Meine kleine Schwester hatte kein eigenes Bett, also schlief sie bei mir im Arm.

Sie bekam Zähnchen und schrie die halbe Nacht.

Auf einmal ging der Vorhang auf, mein Vater stürzte sich auf mich und verprügelte mich schwer. Das Baby wurde von meiner Mutter geholt.

Um mir nicht die Blöße zu geben hilflos zu sein, hatte ich mir vorgenommen bei der nächsten Krise nicht zu weinen. Er stellte sich vor mein Bett und schlug auf mich ein. Ich schwieg. Das machte ihn wütend. Er holte - wie ich später sah - ein Kartoffelschälmesser, kam zurück und stach auf mich ein. Ich war groß und inzwischen gut trainiert - er etwa 20 cm kleiner und untrainiert. Ich wehrte mich zum ersten mal. Sprang aus dem Bett, schlug um mich, trat ihn in den Bauch. Schubste ihn - hörte nicht auf. Es war ein Kampf um Leben oder Tod.

Wie es weiterging weiß ich nicht mehr. Mutter rief ihn wohl ... jedenfalls verließ er meine Schlafecke neben der Küche. Ohne das sich jemand um mich kümmerte stand ich auf, ging in die Küche, auf den Flur, sah zufällig im Spiegel das überall verschmierte Blut an meinem Nachthemd, ging hinaus ins eiskalte Treppenhaus. Ich wusste das die Haustür abgeschlossen war. Um den Schlüssel zu holen müsste ich wieder in die Wohnung...

Ich setzte mich auf eine der eiskalten Betonstufen. War wie paralysiert. Nach wenigen Minuten stand ich auf, drückte auf den 3-Minuten-Lichtschalter und sah das ich an mehreren Stellen leichte Schnittverletzungen hatte die bald heilen würden. Doch im rechten Oberschenkel hatte ich eine größere Stichwunde die in einen ca. 20 cm langen Schnitt überging und am Knie endete. All die weiteren Schnitte am ganzen Körper waren deshalb eher bedeutungslose Kratzer, weil der Stoff meines Nachthemdes das Messer bremste.


Ich bekam große Angst und klingelte an die Wohnungstür unserer Etagennachbarn. Die Frau öffnete nicht sondern rief mir durch die geschlossene Tür zu "das ich mich gefälligst benehmen sollte, dann hätte auch niemand "einen Grund"...  


Ich musste weg!! WEG, WEG, WEG!

Karen und ein paar Nachbarn beugten sich übers Geländer und guckten mich mitleidig an. Aber keiner traute sich...

Auf einmal kam Vater zu mir auf den Treppenabsatz. Ohne mich anzusehen gab er mir einige Mullbinden, hängte mir seinen Wintermantel über die Schultern, sagte "...mein liiieber Mann ...!" und setzte sich neben mich auf meine Stufe.

Während ich mich verband schluchzte er - er tat mir leid... Ohne mich anzusehen murmelte er das ich ihn aber auch verstehen solle, er "wolle endlich mal in Ruhe schlafen..." Und das ich ihn herausgefordert hätte - bla bla... "  Nach einer Weile schlug er mir vor das ich doch eigentlich hoch in die Abstellkammer ziehen könnte mit meiner kleinen Schwester. Da könnte sie schreien so viel sie will, da unterm Dach hörte sie keiner.

Ich beherrschte meinen Impuls mich in seine Arme zu kuscheln. Er blieb kurz sitzen, ging dann in die Wohnung und kam mit einem Schlüssel zurück. Dann legte er seinen Arm um mich und half mir mitten in der Nacht die drei Stockwerke hoch bis vor die Kammer.

Sie war etwa acht qm groß. Hatte dünne, nicht isolierte Holzwände. An der Dachschräge sah man die Ziegel.

Ich wäre am Liebsten da oben in der Kälte geblieben, aber Vater nahm meine Hand, half mir langsam die Treppe hinunter, sagte ich solle mit der Arbeit warten bis ich wieder gesund sei.

Von da an war er niemals wieder aggressiv mir gegenüber. Meine Angst vor ihm verlor ich trotzdem erst irgendwann im Erwachsenenalter. Von da an mochte ich íhn wieder so wie bei unserer allerersten Begegnung.

 

Während unten in der Wohnung meine Wunden heilten, versorgte Mutter  . Haus und Kinder. Ich saß viel auf dem Balkon, erholte mich und plante mein Zimmer samt Einrichtung.

Vater verhielt sich neutral bis freundlich.


Ich wurde älter. Wuchs über meine Eltern hinaus und würde jahrzehnte später beider Konflikt-Beraterin sein. 


Aus all dem Gerümpel in der Kammer durfte ich mir eine Einrichtung bauen wie ich wollte. Nachdem ich alles saniert hatte, war es so richtig gemütlich. Weil mein Schwesterchen noch so klein war, bekam ich vorübergehend einen Heizlüfter. Wasser und Toilette war in der Wohnung. Dieses Zimmer war das erste bei dem ich meine Talente austoben durfte.

Glück fühlt sich wie Nebel an. Absolut leicht.

 

Ich ahnte nicht das die reale Welt in die ich hineinwuchs auf ganz andere weise härter sein würde als - trotz allem - mein Zuhause. Denn ich wanderte von einer Lehre, einem Job, zum nächsten: Schneiderlehrling, Schlachterlehrling, Putzhilfe, am Fließband Kartoffelsäcke reparieren, mit einer Mininadel Laufmaschen an Nylonstrümpfen reparieren, Blusenverkäuferin, Serviererin, Magd auf einem Bauernhof, Laufmädchen usw. Ich hielt überall nur kurze Zeit durch.  

Ich erinnere mich besonders daran das ich als Putzhilfe so viel arbeiten musste das ich nicht einmal Zeit hatte genügend zu schlafen. Eines Tages schlief ich sogar während des Staubsaugens ein.

Ich hatte lange keine Ideen umgesetzt. Nun war ich völlig reizüberflutet und erschöpft.

Ich kündigte, verließ das Haus und verdingte mich als Magd auf einem Bauernhof. Da stimmte alles. Die Menschen waren lieb. Die Tiere wie   Geschwister. Ich durfte zugunsten von Menschen, Haus und Hof meine Ideen umsetzen. Ich war im Himmel...

In meiner Freizeit las ich medizinische Bücher aus der Bibliothek und hörte laute emotionale Musik aller Genres. Musik ist und war ein ganz bedeutendes Medium für meine Psyche - bis heute hat sie einen vorrangigen Stellenwert!


Als Mutter schwer an Gürtelrose erkrankte, ging ich zurück und kümmerte mich. Sorgte für alles und als ich hörte das meine Stelle als Magd neu besetzt war, blieb ich zuhause, obwohl ich nicht mehr gebraucht wurde...

Vater erinnerte mich mal das ich nicht auf seine Kosten leben könnte...


Mutter arbeitete als Köchin in einer Bundeswehrkaserne. Eines Tages  brachte sie eine männliche Aushilfe von der Arbeit mit. Er interessierte sich  sofort für mich. Ich wusste nicht wie ich mich verhalten sollte. War sowieso schon generell viel zu verklemmt und machte mich steif so bald sich ein Mann für mich interessierte.

Als er sich mir gegenüber hinsetzte saß ich stur da mit verkniffenen Lippenn und steif übereinandergeschlagenen Beinen. 


Nachdem er gegangen war, setzten sich meine Eltern zu mir und fragten wie ich den jungen Mann denn so fand. Mutter hätte ihm schon lange von mir erzählt und nun, nachdem er mich "kennengelernt hatte", würde er mich gerne heiraten. Meine Eltern strahlten als würden sie mir den Mann schenken. (Eigentlich hätte ich misstrauisch sein müssen.)

Ich kann mich heute deutlich daran erinnern das es plötzlich an meinem ganzen Körper juckte.


Weil mich meine Eltern ein paar Tage mit dem Thema in Ruhe ließen, konnte ich sachlich nachdenken:

1. Wenn ich mich weiterhin nicht für Männer interessierte, ja, nicht einmal einen festen Freund hatte - war ich auf den besten Weg zur alten Jungfer die "keinen Mann abgekriegt hatte".

2. Wenn ich ihn heirate, würde man mich statt "Fräulein" nicht nur mit "Frau" angesprechen, ich gehörte auch dazu. - Wozu auch immer...

3. Weil er nach dem Wehrdienst in Kürze wieder Seefahrer war, käme ich weit hinaus in die unbekannte ferne Welt.


Das waren schon mal drei wesentliche Pluspunkte. Zusätzlich würde ich meinen Eltern nciht mehr auf der Tasche liegen. Dazu schwärmte Mutter von IHM - und - "was da sonst noch so alles passierte" solle ich ganz ruhig auf mich zukommen lassen. Und vor allem!!! - dürfte ich mir aus einem türkies farbenen Stoff aus ihrem Vorrat ein Kleid nähen. WOW.


Ich überlegte eine Nacht. Und obwohl meine Angst vor Männern tief saß, zuckte ich statt einer klaren Antwort nur gleichgültig meine Schultern, als ER mich fragte. 

Später nahm Mutter mich zur Seite und sprach mit mir "von Frau zu Frau" das ich es ihm nicht so leicht machen sollte sonst könnte er denken ich sei billig... Ich hatte keine Ahnung wovon sie sprach und vergaß es. 


Und so entsorgten mich meine Eltern ohne Feier, ohne Schleier, in eine Ehe mit Mister X-beliebig aus Hoyerswerda.


"Hochzeitsnacht".

 Mein selbstnähtes türkieses Brautkleid fiel so eng aus das ich auf einen Reißverschluss auf dem Rücken angewiesen war. Nachdem wir beide vergeblich probiert hatten das Kleid auszuziehen ohne es zu beschädigen, schnitt er es einfach an der Seite auf.
Es fiel leicht auf den Fußboden.Weil wir während der ganzen Zeremonie ziemlich übermütig lachten lernten wir einander leichter kennen.Er sah super aus und ich freute mich auf das was kommen würde.

Etwas später wusste ich auch was es bedeutete "es ihm nicht zu leicht zu machen". Jedenfalls hörte ich auf Mutters Rat. Aus heutiger Sicht tut er mir leid. Denn ich habe durch meinen Gehorsam seine und meine Hochzeitsnacht versaut. Wenn er nicht schon vor sehr vielen Jahren gestorben wäre, würde ich mich dafür entschuldigen. Ich finde es tragisch das wir so wenig voneinander wussten bevor wir heirateten.


Ich hatte keine Ahnung von einem Alkoholiker - er  ahnte nicht das ich psychisch schwer gestört war. Auch war ich es gewöhnt im Alleingang für mich zu entscheiden. Miteinander reden um Probleme zu lösen war mir fremd. 

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Ich hatte meine Kindheit überlebt. Mein Belastungslevel lag hoch. Meine unbewusste neagtive Erwartungshaltung auch.


Ich war bereit für einen neuen Lebensweg. 


Nun war ich plötzlich Ehefrau. Wusste aber überhaupt nicht wie ich ticken sollte. Was erwartete er von mir... Ich musste einfach irgendwie zusehen wie ich klar kam. Improvisieren war ich ja gewohnt.


Weil es mir überhaupt nicht bewusst wurde das ich mein Elternhaus nur knapp überlebt hatte, litt ich fbald ürchterlich unter Heimweh. Gehorchte willenlos all dem was mit mir geschah und versuchte herauszufinden wo oben oder unten ist. Welche Rolle sollte ich spielen ... Durch meine bisherigen Erfahrungen hatte ich nur ein verzerrtes Bild von dem Leben in dem ich mich nun befand. 


Ich rechnete meine Chancen aus: Ich hatte gelernt Gras und andere essbare Pflanzen zu essen um nicht zu hungern,
hatte Frost in drei Zehen, Kartoffelsäcke, Decken und Hasenfelle geklaut um nicht zu erfrieren. Ich war zäh und anspruchslos bis über die Schmerzgrenze hinaus, hatte hochkreativ unzählige Tricks des Überlebens gelernt und war eine ausgesprochene Frohnatur. Damit war ich voll fit für schlechte Zeiten und wäre eine gute Partie für einen von der Umwelt isolierten Höhlenmenschen gewesen.


Was meine bisherigen sozialen Kontakte anging so waren sie echt und innig: Mit Tieren kuscheln, Kinder gegen Ungerechtigkeiten verteidigen und per Post die hilfsbereite Prostituierte Karen trösten, die kürzlich - obwohl sie heftige Wehen hatte - von den eigenen Eltern in einer Winternacht vor die Haustür geworfen wurde. Die Nachbarn hatten Ohren und Augen und ihre Herzen geschlossen. Das Kind überlebte. Karen, die mehr Wert war als die ganze Mischpoke der Gegend, heiratete bald darauf einen Freier der sie auf Händen trug, und sie iund ihr Kind mit nach Israel nahm. 


Was hatte ich der Wohlstandgesellschaft zu bieten? Viele praktische Ideen und Hände sie umzusetzen. Doch kochen, wie man es tat, oder einen Haushalt so führen wie es sich gehörte, konnte ich nicht. Viiiel lieber erfand ich jeden Tag ein anderes - ganz eigenes - Mittagessen und putzte nur wenn ich den Schmutz auch sah. Ich improvisierte (bis heute) jeden Tag. 

    

Mein fremder Mann war ein gut erzogener Matrose der von der Bahn abgekommen war. Von Alkoholikern hatte ich keine Ahnung und so deutete ich sein wechselhaftes Verhalten als Ausdruck seines genetisch bedingten Wesens. Während wir ein halbes Jahr zur See fuhren, blieben wir uns trotz räumlicher Enge fremd und ich nahm mir vor, ihm vorerst nicht zu erlauben mich wirklich kennenzulernen. Das ihm mal die Hand ausrutschte und er mich auch sonst ab und zu heftig beschimpfte und beleidigte, fand ich schrecklich, aber - na, ja,  Männer waren nun mal so - und vielleicht hatte er ja auch recht. Ich zwang mich zu Verständnis, zog sein Verhalten sogar noch ins Lächerliche bevor er womöglich ein schlechtes Gewissen bekommen könnte. Er schlug mich wieder, es war ihm egal wohin er mich traf. Meine Zukunft stand still. Ich kündigte ihm in Gedanken und machte mich unsichtbar. 

Als wir an Land wohnten, hockten wir nicht so aufeinander wie an Bord und gingen lockerer miteinander um. Weil ich keine gesellschaftlichen Richtlinien kannte, fügte ich mich. Es  machte mir viel Freude das ich unseren Haushalt mit ollen Möbeln einrichten und auch den kompletten Unterhalt alleine mit Fischpräparationen, kunstvollen Schalen aus Seegras und Verkauf von Staubsaugern bestreiten durfte. Ihm war alles egal. Er genoß sein Leben. Schleppte fremde Frauen in unsere Wohnung, trank mit ihnen - er konnte von mir aus alles tun wozu er Lust hatte. Je besser seine Laune, umso seltener misshandelte er mich.  

Bald hatten wir eine größere Wohnung, er bestand auf ein eigenes Auto - obwohl er keinen Führerschein hatte. Als eine seiner Besucherinnen immer öfter bei uns wohnte und mit ihm trank, reichte es mir. Während ich meine devote Rolle spielte, sparte ich für meinen Abgang. 

Der kam bald: Obwohl ich eine Woche vorher unser Kind unter höchster Lebensgefahr geboren hatte - weil mich trotz Komplikationen wegen eines schweren Sturmes kein Schipper ans Festland bringen wollte - schlug er mich wieder. Der altbekannte Horror stieg in mir hoch. Ich nahm voller Panik mein Baby und ergriff die Flucht. - Nur weg. Doch meine Eltern ließen ihre Tür verschlossen. Ich hatte niemanden der zu mir hielt, ging zitternd zurück zu meinem Mann und der Frau, kauerte mich in eine Ecke, drückte mein Baby an mich und weinte vor Heimweh nach meinen Weidetieren. Mein Leben war so erbärmlich. 

 

Nach ein paar Stunden wurde mir klar das ich nur deswegen heulte weil ich nicht von dem mir feindlich gesinnten, ungeliebten Ehemann zu meinen mir feindlich gesinnten, trotz allem so sehr geliebten "Eltern", flüchten durfte. Was für ein Irrsinn! - Mich packte voll die Wut - und ich beschloss nie wieder zu erlauben das man über mich bestimmt oder mich schlägt. Nie wieder!!

Dabei war mir schon klar das mir mein erlerntes Verhaltensmuster

immer wieder in die Quere kommen würde, aber das schreckte mich nicht. Es war Mein LEBEN - und ich musste meine geliebtes Kind schützen, damit es ihm nicht so erging wie mir.


Zuerst musste ich mich von den größten Lasten befreien: Brach innerlich zuerst mit denen für die ich bedeutungslos war: Mit pseudo-Eltern und pseudo-Ehemann.

Ich musste nun sehen wie ich ganz alleine mit allem klar kam. Theoretisch konnte ich das - aber mit einem Neugeborenen?

Ich dachte das wenn ich mich in den Schutz der Gesellschaft begeben würde, hätte ich ihre Unterstützung. Um vorher ordentliche Verhältnisse zu schaffen, ließ ich mich scheiden.    

Das jedoch war genau der falsche Weg um mich in die Gemeinschaft zu integrieren. Die mir fremde dörfliche Gemeinschaft warf mir vor das ich meinem armen Baby den Vater genommen hatte. Man beschimpfte mich und lehnte mich ab.

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In den 50gern und 60gern war Ehe und Familie die Norm/Dogma. Alleinstehende Frauen wurden ausgegrenzt und zunehmend diskriminiert. Alleinstehende Mütter litten wegen mangehafter Versorgung dazu auch noch materielle Not.

Während sich noch immer millionen Männer in Kriegsgefangenschaft befanden, waren es die Frauen, die - oft mißhandelt und traumatisiert - vergewaltigt - zusammen mit ihren Kindern, Alten und verwundeten, trotz Hunger und Kälte, für den Wiederaufbau des Landes sorgten.) 


Stammesgeschichtlich ist es die Aufgabe der Männer ihre Familie, die Gruppe, zu schützen und ihr kleines Territorium zu verteidigen. Evolutionär ist es zu keiner Zeit sinnvoll Frauen zu unterdrücken, oder zu schlagen.

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Ich war nun wieder ganz alleine.

Meinen Mann und mich zu unterhalten, war eine Sache, nun mich und mein hilfloses Baby, eine völlig andere. Weil ich mich schämte- und es  mir gegenüber einer Kapitulation gleichkam - wollte ich erst mal andere Wege versuchen bevor ich staatliche Unterstützung annahm.


Tatsächlich war mir nicht klar wie sehr mein Baby und ich in der Bredoullie steckten.


Doch das Glück lauerte schon! Ich lernte kinderlose Tageseltern kennen die sich liebevoll um mein Baby kümmerten, während ich für eine Großkantine zentnerweise Kartoffeln schälte und nach Feierabend in einer gemütlichen Kneipe die Gäste bediente. Doch leider war eine berufstätige Frau alles andere als "normal". Die Insulaner mobbten mich. Ich den Druck nur wenige Monate aus - und heiratete dann eben einen x-beliebigen Mann aus ihren Kreisen den ich gerade mal zwei Wochen kannte.  

 

"Er" kam aus Chrimmitschau, war ein Blender mit Kontrollzwang und ein Moralapostel. Eine sehr interessante Mischung.

Wie er sagte hatte er sich vorgenommen einen einigermaßen ordentlichen  Menschen aus mir zu machen. Deshalb warf er meine kostbaren Malfarben in den Mülleimer, verbot mir jede eigene Idee und bestimmte - nein befahl - bla, bla, bla... Nach nur 14 Tagen Ehe trennten wir uns.

Meine Babysitter bedrängten mich, sie wollten mein Kind für immer behalten. Ich dachte ich ersticke ohne mein Kind und lehnte freundlich ab.

 

Nicht mal 22 und schon zwei mal geschieden, war in den frühen Sechzigern mit seinen strengen moralischen Konventionen das gesellschaftlich endgültige AUS -  mit Kind erst recht.

Na und? - dann heirate ich eben erst recht NOCH MAL - Ihr Blödmänner!  Ich nahm mir vor den ersten Junggesellen der an meiner Tür klingelt zu bezirzen - und zu heiraten.  

 

Er war ein ehemaliger Prokurist aus Cottbus. Ein total lieber Alleskönner - wenn er nüchtern war. Wir verließen die Insel, ich bekam ein Kind, er blieb zu Hause und betreute die Kinder während ich für uns alle arbeitete. Ich ging von Tür zu Tür. Verkaufte Staubsauger und Kühlschränke.

 

Er kam wegen Fahrens unter Alkohol und ohne Führerschein ins Gefängnis - ich merkte das ich wieder schwanger war, ließ mich scheiden und bilanzierte:  

Ich war 24, hatte zwei Kinder, war im dritten Monat, war innerhalb von vier Jahren drei mal geschieden, hatte einen Führerschein, ein bezahltes Auto, eine Wohnung - die mir gekündigt wurde - und 14 000 Mark Ersparnisse - die ich nicht mit ihm teilte, sondern ihm vollständig überließ nachdem er mich bedrohte. Unterhalt für mich/meine Kinder, bekam ich übrigens nie von einem meiner Ex-Männer. Der Staat sprang damals nicht ein, man musste zum für sehr viel Geld zum Anwalt gehen und auch dann war es reine Glücksache. Ich glaube rückblickend, dass mich das auch nicht so interessierte. Meine Angst das die Väter dann ein laufendes Besuchsrecht hätten war zu groß. Ich sah MEINE KINDER als ZU MIR GEHÖREND an. (Keiner der Väter sah wollte sie je sehen.)


Als "geschiedene Frau mit zwei Kindern und AUCH NOCH schwanger!" - drückte man mich auf den allerniedrigsten Zweig der Verachtung. Doch dieses mal hatte ich nichts anderes erwartet. Nun kümmerte mich weder was man über uns redete noch dachte. Ich hatte von Frauen die mich vorverurteilten und Ex-Männern die mich respektlos behandelten die Nase voll und war fest entschlossen so lange ganz alleine für uns zu sorgen, bis ich irgendwann meinem Traumprinzen begegnete. Dann würde ich ihn zuerst kennenlernen und dann heiraten - würde mich mit Geduld, Fantasie und Neugier an ihn heranpirschen... o, mann... irgendwo gab es ihn, dessen war ich mir sicher.  

 

Nun wollte ich mich endlich nur noch um meine Kinder kümmern. Sie schützen, ernähren und auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten. Ich wusste genau, dass ich alles ganz alleine schaffen würde, denn immerhin war ich die Tochter eines weltbekannten Mannes .


Weil mein angeborenes ausgeprägtes Bedürfniss meine drängelnden Idee umzusetzen mich stets beherrschten, verband ich alles miteinander: Ich setzte meine Ideen um, verdiente Geld damit und war trotzdem immer bei meinen Kindern. Dadurch hatte ich natürlich einfach keine Zeit für Freundinnen, oder persönliche Freizeitgestaltung. Was man nicht kennt, vermisst man auch nicht.

Das sich meine Biografie grundsätzlich und zunehmend außerhalb der Norm befand, war mir nie bewusst. Meine Kinder erzog ich "stark fürs Leben" - nicht als Kuschelersatz. Ich liebte sie so sehr... 


Ich schaffe es alleine!

Meine Voraussetzungen waren toll: Ich hatte mir bewiesen das ich Geld verdienen konnte. Es hatte ja immerhin für mich und meine Ex-Männer gereicht. Ich hatte ein realistisches Bild von meinem Können, war putzmunter und gesund und platzte schier vor Energie. Kein Wunder, ich hatte ja auch den schönsten Ansporn den es gibt: Mein Körper hatte mir quasi meine eigene Familie geboren - und bald würden bald wir zu viert sein! Oh, lieber Gott, danke für mein Leben!  

Ich fühlte mich sooo reich: Ich hatte Kinder die mich brauchten, für die ich sorgen durfte und vorbehaltlos lieben ... Oh ja, ich liebte sie und mich und auch mein Leben egal wie es gerade mal war, es war doch nur eine Momentaufnahme. Endlich war ich wirklich frei, endlich fühlte ich keine bedrückende Last im Herzen, und je länger ich mir mein großes Glück vorstellte, umso mehr freute ich mich auf meine neue Zukunft und begann vor lauter besessener Liebe zu allen Kindern, zu allen Tieren, zu allen Menschen, Pflanzen, zu allem allem allem auf der Welt, nur so zu strotzen  

 

 

 

 

                                 GELIEBTES LEBEN!!!                                         

Was bedeutete es noch was wer mir einmal vor "tausend Jahren" getan hatte...? Schließlich war ich es die anders tickte und nicht sie. Ich wollte endlich so sein wie ich war - wie immer ich war... Ich hackte am Schwanz meiner Vergangenheit und genoss meine Kinder die mich zu Toleranz erzogen und Freundlichkeit und Opferbereitschaft. Ich finde das eine glückliches Kind für alle Mühen entschädigt.

 

Auf dieser Grundlage würden meine kreativen Ideen nur erfolgreich werden. 

Womit ich unseren Unterhalt verdiente, war mir egal, absolute Bedingung war das ich praktisch non stop zuhause bei meinen Kindern sein konnte. Wir schliefen alle in einem Bett bis wir nicht mehr alle reinpassten, da waren sie zwischen sieben und neun Jahre alt.  

 

Ich betreute kostenlos per Nottelefon Homosexuelle bei Problemen, - und die hatten die armen Menschen als total geächtete - damals mehr als genug. Auch vermittelte ich Waren aus zig Katalogen und gleich Kleinkredite einer Bank dazu, für gute Provisionen. Ich verdiente sehr gut - und verschenkte sehr gerne - . Während ich unsere Möbel baute, wir alle miteinander Spielzeug bastelten und Teddys nähten, freuten wir uns alle ganz doll auf unser Baby. Im Laufe der Zeit tat ich alles um zuhause Geld zu verdienen. Ich stopfte Löcher in Kohlesäcken, reparierte Laufmaschen in Nylonstrümpfen, nähte Damen-u. Herrenkleidung für Körperbehinderte, züchtete kleine Leoparden für Zoos, sammelte Hunde und Katzen die in Tierheimen getötet werden sollten und verkaufte sie in liebe Hände, und Ziegenkäse von eigenen Tieren, strickte Puppen, baute Möbel, nähte Teddys ...  

Obwohl es verboten war, sammelte ich heimlich die Altkleiderbeutel ein die meine Nachbarn vor ihre Haustüren stellten und nähte  da raus was alles mein Haushalt und meine Familie so brauchte.  

 

Weil ich kaum Sicherheitsdenken entwickelt hatte und nur im Jetzt lebte, waren meine Gedanken subjektiv frei. Und so unvoreingenommen probierte ich jede meiner vielen  Geschäftsideen aus und blieb bei den lukrativsten.


Im laufe der Jahre passte ich meine Einkommensquellen den sich verändernden Bedürfnissen meiner Kinder an: Mietete eine Wohnung die sich im desolaten Zustand befand. Richtete sie komplett mit gebrauchten und verschönerten Dingen ein und verkaufte sie sie so wie sie war, (mit Erlaubnis des Besitzers.) - Mietete eine ähnliche Wohnung, lebte vom Geld der vorigen und verkaufte auch die neue Wohnung nach etwa zwei Jahren mit gutem Gewinn. Auch verkaufte ich alten Granatschmuck und schmuggelte Antiquitäten über Landesgrenzen. Bemalte Fensterläden mit Bauernmalerei im Harz u.v.m. 

 

Mit 29 Jahren baute ich uns eine Gartenlaube aus ollen Holzpaletten und nahm zum ersten mal nach der Zwangshochzeit Kontakt zu meinen Eltern auf. Als ich ihre Hilflosigkeit erkannte, taten sie mir so leid. Ich zog in ihre Nähe, wurde ihre Beraterin und Schlichterin, bezahlte ihre hohen Schulden, holte meine kleine Schwester zu mir - und zog nach zwei Jahren weiter.   

 

Meine erste Freundin: Von allen Nachbarn hielt nur eine zu mir: Eine üppige Zigeunerin mit struppigem Haar um die dreißig vierzig, oder so..., mit nur einem Zahn im lachenden Mund die nie genau wusste wie viele Kinder sie gerade hatte. Sie war absolute Klasse. Wir beide standen einander so bei wie es sich für Menschen gehört. Ich lernte von ihr wie sich ihr Sohn schminkt und sein Geschlecht tarnt bevor er als spärlichst bekleidete Tänzerin in Bars auftrat, und das man stellenweise die Bretter aus dem Küchenfußboden reißen und verheizen kann, wenn das Geld nicht reicht. Unsere Kinder und Tiere waren unser Reichtum.   

Eines Tages hatten wir Grund jemanden zu verprügeln. Doch bei tiefster Dunkelheit stürzten wir uns aus versehen auf einen Einbrecher an den wir uns bei Helligkeit wegen seiner Größe niemals herangetraut hätten. Die Prügel die wir für den Pädophilen geplant hatten weil er versucht hatte sich an zwei unserer Töchter zu vergreifen, mussten wir auf den nächsten Tag verschieben. Doch am nächsten Morgen fanden wir ihn nicht. Später erfuhren wir das er sich in der Nacht erhängt hatte.  


Inzwischen hatte ich meinen Schwanz der Vergangenheit abgehackt und mich so weit entwickelt das ich überhaupt keine seelischen Altlasten mehr mit mir herumschleppte. Nur meine Angst vor Männern war noch da. Aber ich konnte jederzeit emotional unberührt über meine Vergangenheit reden als sei sie eine Einkaufsliste.

Ich lebte im Jetzt - was sollte ich mir Sorgen machen was mal irgendwann irgendwo war oder sein würde.

Wenns mir mal wirklich schlecht ging, wählte ich den kürzesten Weg den es gibt: Den zu Gott, meinem Vater, und zur Dankbarkeit für so unglaublich viel.

Je älter ich werde umso bewusster und glücklicher lebe ich übrigens. Materialistische Menschen, Wirtschaftspsychopaten und Leute die dauernd grundlos herumjammern meide ich konsequent. Sie haben nicht erkannt das Leben zu dürfen das Kostbarste ist was es gibt.   


Vielseitige Talente. Meine Kinder wurden älter. Es wurde immer schwieriger für mich gleichzeitig Geld zu verdienen und von früh bis spät für sie da zu sein. Es wurde sowieso Zeit das sie Selbstverantwortung lernten und was es bedeutet für sein Geld zu arbeiten. Darum lieh ich mir Mitte der Siebziger von anderen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, Berlin, 90.000 DM. Ohne Zinsen und ohne Sicherheit! Dazu druckte mir eine jüd. Druckerei ein Jahr lang kostenlos alle im Hotel benötigten Drucksachen.  

Super! Ich büffelte Hotel- u. Personalführung, Lebensmittelvorschriften, lernte ein bisschen englisch, Personalführumg und so viel mehr. Pachtete ein mittelgroßes Hotel im Schwarzwald, bemalte Sperrmüll-Möbel mit Bauernmalerei, stellte sie in Gästezimmer und managte das Haus mit Hilfe meiner Kinder und vielen Angestellten sechs sehr erfolgreiche und wunderschöne  Jahre lang.  


Weil ich Menschen aller Fazetten liebe und täglich witzige Momente mit ihnen erlebte, erinnere ich mich besonders gern an diesen unglaublich amüsanten und arbeitsreichen Lebensabschnitt. Je höher die Anforderungen umso mehr machte es mir Spaß, so ist es heute noch. Rund 80 Gäste täglich. Oft auch weit über hundert. Menschen aller Nationen, Altersgruppen, Berufe Tag und Nacht erleben zu dürfen ist ein toller Gewinn. Große und kleine, mürrische, freundliche, eingebildete, natürliche. Müde, leise, mürrisch am Frühstückstisch, laut und fröhlich beim Abendbrot. Und all die vielen, vielen menschlichen Probleme die sie mir anvertrauten und wir dann manchmal auch gemeinsam lösen konnten. Wo viele Menschen sind, ist immerzu was umvorhergesehenes los. Absolut toll. Hier gehörte ich hin.   

 

Als drei meiner Kinder in die Pubertät kamen, hatte ich viel Arbeit und Sorgen durch sie. Zum Beispeil fuhr ich dauernd hinter ihnen her um sie nachts von Discos, oder Freunden abzuholen. Meine Zeit und Kraft reichte nicht aus für alle meine Aufgaben. Also schnappte ich mal wieder mein Kleinkind, den Affen, die Katze, das Meerschweinchen, das Kaninchen, die vielen Koffer, und - ach so ja - meine drei pubertierenden Jugendlichen - mietete zwischendurch mal wieder eine marode Wohnung, sanierte sie, gestaltete sie innen künstlerisch und richtete sie mit bemalten Möbeln aus Sperrmüll ein. Nachdem wir die Wohnung so zwei Jahre bewohnt hatten verkauften wir sie wieder mit allem Drum und Dran, mieteten eine andere, richteten sie wie die vorige ein, verkauften sie und auf zur nächsten... Es war eine spannende Zeit und Geld hatten wir auch mehr als genug.  

 

Angespornt durch meine Erfolge begann ich Mitte der Achtziger meine Grenzen zu erweitern und nahm mir vor mein erstes eigenes Haus - per Barzahlug zu kaufen. 

Mir war klar das mein prickelndes Gefühl vom Risiko ausgelöst wurde auf das ich mich einmal wieder einließ. Fifty-fifty das es klappte war mir genug. (Was sollte mir denn noch passieren,

Weil das Haus 120 Km.von uns entfernt war, ich die Kinder nicht alleine lassen wollte, ließ ich meine Besichtigung ausfallen. Also schickte ich dem Makler eine Vollmacht, überwies ihm den kompletten Kaufpreis und er kaufte das Haus für mich.  

Bei unserem Einzug einige Monate später, sahen wir es zum ersten mal. Meine Güte - das war spannend! Wie vermutet hatte der Makler zu seinem Gunsten übertrieben. Der Zustand des Hauses befand sich hart an der Schmerzgrenze des Machbaren. WAS für eine Herausforderung - ich war glücklich - und fing einfach irgendwo an. Sanierte, renovierte, gestaltete wie gewohnt. Lebte dort eine zeitlang wie gewohnt und verkaufte es wie gewohnt. Dann zog ich mit allen Kindern, Tieren und Koffern weiter. Insgesamt restaurierte ich alleine -  und später mit Hilfe meines Mannes - bis jetzt - vier Häuser. Zwei davon hatte ich nicht vorm Kauf besichtigt.   

 

Ich bin 29 mal umgezogen und es ist nicht mein letzter Neubeginn! Umziehen, neue Menschen, neue Umgebungen kennenlernen, ist so toll!


 

Riskante Momente. Meine hoch belastete Kindheit und meine ersten traumatischen Gehversuche als junge Erwachsene - und darüber hinaus, haben dazu geführt das ich selbst sehr hohen Stress bis heute nicht als solchen empfinde.

Wegen meiner hohen Belastbarkeit gräbt sich eine negative Erfahrung nur vorübergehend in meine Seele. Selbst schwere Probleme empfinde ich eher als Herausforderung denn als Krise. Dadurch schleppe ich keine Altlasten mit mir herum und lebe effektiv.


Meine Naivität und dazu meine sehr hoch gehängte Stresslatte signalisieren mir sehr spät eine Gefahr. Dadurch begab ich mich oft in gefährliche Situationen.

 Ein paar Beispiele:

.   Weil ich kurzsichtig bin und keine Brille aufgesetzt hatte, dauerte es fast zu lange bis meine blinzelnden Augen erkannten das es sich vor mir nicht um eine Schlägerei handelte, sondern das ich zufällig Zeugin eines Mordes wurde. (Ich wurde gesehen und tauchte eine Weile unter.)

.   Einige Monate half ich unter Lebensgefahr dem deutschen Staatsschutz (BRD) und konnte einen Mord an einem Arzt verhindern. 

.   Ein anderes Mal beutete mich ein Heiratsschwindler komplett aus. 

.   Einer meiner Exmänner versuchte meine Kinder und mich in der Nacht mit dem Gas einer Prophanflasche zu vergiften, weil ich mich von ihm scheiden lassen wollte... Die Gasflasche war fast leer (-:     


 

Ich müsste lange überlegen was ich im Leben noch nicht erlebt habe. Meine Güte, ich habe so viele fantastische Erinnerungen, so unglaublich viel Lebenserfahrung, ich würde keine Sekunde löschen wenn ichs könnte! O, Mann... das Leben ist so leicht wenn man es sich nicht selber schwer macht. Wer olle Kamellen nicht sterben lässt, verschenkt Lebenszeit. Macht doch ab und zu was verrücktes - sonst verschluckt euch das gesellschaftliche Normendenken. Zu dolle Anpassung frisst Lebensfreude.


Rückblick:

Trotz all meiner vielen unkonventionellen Erfahrungen war ich in bezug auf den üblichen Alltag völlig weltfremd. Ich hatte mein Leben mit Arbeit, Verantwortung und Fürsorge für meine Familie verbracht. Mal für meine Eltern und Geschwister, mal für meine Exmänner.

War seit Kindheit ans Haus gefesselt - auch wenn ich im Ausland war. Trotz meiner Lebensreife waren mein Denken und meine Vorstellungen total unrealistisch. Eine meiner "Pobacken" hing (hängt) immer in der unrealen Welt meiner Fantasieen. Meine Talente und meine Liebe zum Leben sind untrennbar.


MEINE ERSTE LIEBE.

Ich war 49, meine vier Kinder waren junge Erwachsene. Für den Fall das sie alle wegen ihrer Studien das Haus verlassen würden, wollte ich es verkaufen und einige Jahre nach Südafrika gehen um dort bei der Aufzucht aussterbender Raubtiere zu helfen. Doch was stattdessen geschah, erscheint mir heute wie der Höhepunkt eines Filmes, denn mir begegnete das Wunder meiner ersten großen Liebe: Ein Witwer in Not rief zufällig an - HALLO! was für ein herzensguter Mensch - MEIN TRAUMPRINZ - . Gleich am nächsten Morgen holte ich seine Kinder in mein Haus und kurz darauf wohnte auch "er" bei uns. Drei Monate später war ich mit ihm und seinen fünf tollen Kindern verheiratet. NEUN Kinder - danke, lieber Gott!! (Das er zu meiner allergrößten Herausforderung werden würde, ahnte ich nicht.) 


Das was man unter "Normalität" versteht, kenne ich nicht und finde es auch nicht wichtig. Denn, egal wie ich bin, ich bin sozial - und ich lebe und liebe!



Auf einmal nannte man das was ich schon immer machte, "Kunst" und mich "Künstlerin":

Nach durchgehend 40 Jahren aktiver Mutterschaft, davon 30 als Alleinversorgerin, verließ unser letztes Kind das Haus. All die vielen Jahre hatte ich meine Kreativität nutzbringend  für die Familie eingesetzt, und nun hatte ich auf einmal Zeit für mich und begann schon einen Tag später das zu tun wovon ich immer heimlich geträumt hatte: Wie damals als Kind völlig unnütze Figuren zu formen... 

Wie meistens wohnten wir einsam und hatten ein großes Grundstück. Das war nur gut so, denn schon nach wenigen Monaten standen mehr als hundert lebensgroße Figuren aus Holz und Beton herum. Einfach so. Die Zeit meiner absoluten Freiheit und Zufriedenheit begann, denn ich war endlich angekommen. Schrieb in kürzester Zeit ein erfolgreiches Buch über Katzen, malte ein Kinderbuch, wuselte durch mehrere Kunstbereiche hin und her und alle gleichzeitig. GELIEBTE FREIHEIT. 

 

 

 

 

 

Als Ende 1997 eine Frau, eine Kunstexpertin in unser Haus kam und all die bunten Möbel und Figuren und Bilder und Keramik - all die vielen, vielen Sachen aus Gebrauchtem sah, erfuhr ich zum ersten Mal das all das Kunst sei und ich somit eine Künstlerin. Diese Bezeichnung befremdet mich bis heute. Das was ich mache tue ich aus Vergnügen. Das was ich mache bin ich.


Na ja, jedenfalls war die fremde Frau keine geringere als Marianne Kühn, Witwe von Ministerpräsident Heinz Kühn, mit eigener Galerie in Köln. Zuerst "entdeckte" sie mich und bald darauf auch der ehem. Direktor der Kölner Städt. Museen, Günter Ott. Die beiden taten sich zusammen, - ich machte neugierig mit. Kunstexpertin M. Kühn war so begeistert das sie der Presse wörtlich sagte das ich "...eine der authentischen Naiven von denen es pro Jahrhundert höchstens einen gibt..."  sei. Sie lud 800 Personen aus Kunst, Politik und Wirtschaft in ihre Galerie ein. Es war meine erste Vernissage. Ich war 58 Jahre alt. 

Und hatte null Ahnung von all dem...

Knapp zwei Jahre später feierte ich einen privaten Geburtstag bei dem ich auch den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau persönlich kennenlernte - ich durfte in viele gütige Herzen großartiger Persönlichkeiten beider Geschlechter schauen. WAS für eine schöne Erkenntnis! Trotzdem konnte ich mich nicht mit meiner Rolle identifizieren. 

 

Man machte mich international erfolgreich. Zuerst in Europa, dann in Amerika. Ich hatte größte Chancen reich und berühmt zu werden.    

  

Frau Kühn wurde meine Managerin, sie half mir wo sie konnte. Alles was mit der praktischen Umsetzung zu tun hatte, war mein Part. Um die wachsende Nachfrage von Sammlern und Museen im In- u. Ausland bedienen zu können, werkelte ich mit Hochdruck viele, viele einzigartige Exponate. Mein Traummann stemmte sich gegen mich - ich war ihm fremd... Also organisierte ich alleine. Holte Material, werkelte, telefonierte, führte Reisebusse voller Besucher durch unser 250 qm2 großes Haus, versorgte den Haushalt und die Tiere, katalogisierte, beantwortete haufenweise Fanpost - MIT DER HAND!! Stellte Exponate für gleichzeitig laufende Ausstellungen zusammen, bemalte Figuren, fotografierte jede, werkelte wieder neue - war auf Reisen - versorgte den Haushalt, und sägte mir mit der Kreissäge in vier meiner Fingerkuppen.

 

Sechs Jahre lang funktionierte ich. Ließ mich treiben von einem "Erfolg" zum Nächsten. Dann hörte ich endlich meiner inneren Stimme zu und mir wurde klar, das ich zu imaterialistisch war um einen Antrieb im Geld zu sehen. Mein Selbstbewusstsein erwerkelte ich mir sowieso alleine durch die Umsetzung meiner Ideen. 

Ich kam mir vor als wenn ich etwas anhatte das alle toll fanden, ich mich aber nicht darin wohl fühlte.  FREMDGESTEUERT EBEN.

Als mein Traumprinz kurz darauf schwer Herzkrank wurde, wurde ich konsequent. Ließ die bestehenden Ausstellungen auslaufen, nahm keine neuen mehr an und zog mich aus der Öffentlichkeit zurück. Kurz danach verkauften wir unser großes Haus und zogen hier her in unsere ursprüngliche "Ossi-Heimat". (Beide Pommernflüchtlinge.)


Natürlich ist dieses Haus genau so kunterbunt wie alle meine bisherigen Wohnungen, Häuser, Grundstücke. Authentische Gesamtkunstwerke eben, weil sie in ihrer Bandbreite genau so vielseitig und ausdrucksstark sind wie meine Biografie. Ich bin wie ich bin.

 

Meine Kunst entsteht ganz spontan. Weil sich jedes Motiv gleich nach Arbeitsbeginn verselbstständigt und weiterentwickelt, kann ich weder fremde noch eigene Ideen kopieren. Also viel Bauch - wenig Hirn, hihi...

Kein Geld, kein Ruhm bewegt mich emotional so sehr wie das Umsetzen meiner Einfälle. Dann lebe ich in meiner Welt. Darum ist jedes Werk ein Medium um mir ins Herz zu sehen. Intimer kann weder Verbal - noch Körpersprache sein.    

 

Ich liebe den direkten Kontakt zu all den vielen Menschen die zu uns kommen und sich staunend umsehen. Besonders freuen wir uns wenn jüngere Leute sich für Nachhaltigkeit interessieren und sich Ideen holen. 


Ich habe die Erfahrung gemacht das Positives nur Positives nach sich zieht - und Negatives nur Negatives. Wir haben jederzeit die Wahl welchen Eingebungen wir folgen. Damit entscheiden wir aber auch ob wir uns gut fühlen oder nicht. Denn in erster Linie sind wir für uns verantwortlich. Nur unsere eigene Disziplin hilft uns unsere persönlichen Wünsche zu erfüllen.


Ich hinterfrage und annalysiere gerne, gehe selektiv mit meiner Lebenszeit um, freue mich auf neue Aufgaben, oder stoße welche an. Bei ärgerlichen Sachen warte ich nicht bis sie mich belasten, sondern erledige sie sofort. Ich finde das es meistens nur unsere BEWERTUNGEN sind die uns stressen. Und der Druck der Gesellschaft wenn man nicht ins Klischee passt.   

 

Sterben. Obwohl ich keine Angst vorm Sterben habe, finde ich es trotzdem ziemlich schade das es so sein muss. Na gut, wenns dann so weit ist, - was noch lange dauern wird, weil Gott, mein Vater, bestimmt keine Lust auf Möbel aus Sperrmüll-Fragmenten im Disneylook im Himmel hat. Ich vermute stark, das er mich deswegen noch übersieht. Bis dahin genieße ich jeden Tag. Wenn`s dann aber DOCH so weit sein sollte - dann werde ich mich in seine Arme werfen und mich glücklich lächelnd bei ihm für seine großzügige Gastfreundschaft auf Erden bedanken.

Und für den guten Deal

Denn nach meiner Kosten-Nutzen-Rechnung ist leben zu dürfen das allerbeste Geschäft meines Lebens, denn ich war jeden Tag im Plus - ich merkte es meistens erst im Rückblick.

 

Meine Grundstimmung? - GELIEBTES LEBEN!!!

Zukunftsangst? - JA, - habe ich, ... wenn ich mir vorstelle das es plötzlich kein Recyclingmaterial mehr gäbe ... (-:

Einen Wunsch?  - JA, - das Putzen müsste abgeschafft werden.

Meine Beziehung zu Geld? Materialismus ist etwas für Anfänger und Dummis.

Was man ändern sollte: Es wäre schön wenn Kriege von denen ausgefochten werden die sie angezettelt haben!! 

Was ich überwiegend fühle?

Mein Leben ist so schön das ich zu nichts anderem mehr komme!  

Ach ja... gute Musik ist für mich Leben - Liebe - und Leidenschaft pur ...


Eine meiner Blitzzeichnungen - auf einem abgerissenen Blatt eines Notizblockes.  Gehirn abschalten, einfach tun - und dann  wundern.  Meine Interpretation: Spiegelbild meiner engen Symbiose Mensch-Tier-Pflanze =LEBEN.

 

 

 

 

 

Monster Mammi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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